So könnt Ihr sie Hund und Katze sicher verabreichen
Kennt Ihr die Geschichte von der missglückten Tabletteneingabe, bei der die Katze in den Vorhängen, die Tablette auf dem Boden und Frauchen im Krankenhaus landet? So soll es Euch nicht ergehen! Deshalb habe ich die wichtigsten Tipps zur Tabletteneingabe für Euch zusammengestellt.
Sicher heißt, dass keine Verletzungsgefahr für Mensch und Tier besteht, aber auch dass die Tablettengabe gesichert ist. Es ist wichtig, dass die tägliche Tablettengabe auch zu Hause zuverlässig klappt. Euch gegenüber sind Tierhalter häufig offener als beim Tierarzt. Nutzt diese Gelegenheit, um Probleme zu erfragen und gemeinsam eine Lösung zu finden, wenn die Tablettengabe unmöglich ist, z. B. alternative Verabreichungsformen wie Suspensionen oder Spot-on-Präparate.
Bei einer Einmalgabe in der Praxis könnt Ihr die Überrumpelungstaktik nutzen und die Tablette direkt in das Maul eingeben (Abb. 1). Das kann für alle Beteiligten weniger Stress bedeuten. Achtet darauf, dass Ihr die Zahnlücke zwischen Canini und Prämolaren nutzt und die Tablette seitlich weit hinten auf den Zungengrund legt. So hat Euer Patient keine andere Möglichkeit, als die Tablette abzuschlucken.
Ein Tabletteneingeber, der eine flexible Spitze hat, in der man die Tablette einspannen kann, verlängert Eure Hand und ermöglicht es Euch, die Tablette gefahrlos zu platzieren. Viele Tierhalter kommen damit auch zu Hause gut klar, vor allem bei Katzen.
Manche Tabletten (aber nicht alle!) darf man mörsern und auflösen. Nutzt dafür einen praktischen Tablettenmörser, gebt das Pulver in eine Spritze und vermischt es mit etwas Wasser zu einer Lösung.
TIPP
Zieht nicht zu viel Wasser auf, damit Ihr dem Patienten auch sicher die ganze Portion verabreichen könnt.
Auch hier gilt: Tier sicher fixieren, Zahnlücke nutzen und in kleinen Schlucken die Medikamentenlösung eingeben.
Eine bei den Tierhaltern sehr beliebte Taktik ist das Verstecken der Tabletten, z. B. in Käse, Wurst oder Vitaminpaste. Die Tablette sollte so gut verpackt sein, dass sie nicht zu sehen oder schmecken ist. Die Happen sollten so klein sein, dass sie mit einem Mal aufgenommen werden können.
Und so klappt’s:
• 1.Schritt: einen leckeren unpräparierten Happen eingeben • 2. Schritt: die versteckte Tablette geben • 3. Schritt: ein Leckerli hinterher anbieten
Auch über ihr Feuchtfutter nehmen viele Tiere problemlos die Medikamente auf, wenn der Geschmack nicht zu intensiv ist. Kleine Portionen stellen sicher, dass der Napf geleert wird. Andere Tiere sind von der Mahlzeit fernzuhalten.
Stellt Euch vor, wie verunsichert und nervös sowohl die Katzen als auch die Tierhalter bei Euch in der Praxis ankommen. Das Einfangen in die Transportbox artet bei vielen zu Hause schon in Stress aus. Auch Autofahren mögen die wenigstens Katzen. Längere Wartezeiten zusammen mit anderen Tieren erhöhen das Stresslevel ebenfalls. Ihr solltet stets im Hinterkopf haben, was die Katze bereits alles erlebt hat, bis sie auf Eurem Behandlungstisch sitzt.
Alles, was Ihr für die Untersuchung zurechtlegen könnt, solltet Ihr vorbe- reiten. Auch Injektionen könnt Ihr bereits aufziehen. Denn täuscht Euch nicht, das laute Knistern beim Auspacken der sterilen Spritzen kann für schreckhafte Katzen schon laut sein.
Erinnert Euren Tierarzt daran, den Vorbericht in Ruhe aufzunehmen, bevor die Katze aus der Transportbox herauskommt – im Idealfall natürlich von allein (Abb. 1). Auch wenn im Anschluss an die Behandlung noch Gesprächsbedarf herrscht, sollte sich die Katze wieder in ihre Transportbox zurückziehen dürfen.
TIPP
Fixiert die Katze auf dem Behandlungstisch nur so lange wie nötig und so zwanglos wie möglich.
Am besten haltet Ihr Katzen, indem Ihr ihnen eine Begrenzung gebt, z.B. mit Euren Armen oder sie in eine Decke einwickelt (Towel-wrap-Technique nach Sophia Yin). Auch die Unterschale der Transportbox kann für die Untersuchung genutzt werden. Im Behandlungszimmer sollten keine klingelnden Telefone und keine lauten Gespräche zu hören sein. Vermeidet bitte auch Störungen durch anderes Personal.
Die Unterlage des Behandlungstischs sollte rutschfest sein. Pheromonstecker im Behandlungsraum oder mit Pheromonspray besprühte Decken können dabei helfen, auf dem Tisch eine ruhige Atmosphäre zu schaffen.
Am besten starrt Ihr Katzen nicht direkt an, nähert Euch lieber von hinten und sprecht auf eine sanfte Art mit ihr (bitte keine „Babysprache”). Es kann beruhigend auf sie wirken und sie ablenken, wenn Ihr sie bei der Untersuchung und Behandlung über den Kopf streichelt.
Verzichtet auf Zwangsmaßnahmen wie Nackengriff oder Zwangskäfige. Viele Katzen reagieren auf Druck mit Gegenwehr, außerdem gleicht der Nackengriff einer Todesdrohung durch einen Fressfeind. Arbeitet lieber mit Kuscheldecken und einer Wickeltechnik, in der Ihr sie einwickelt. Eins ist klar: Sicherheit von Tier und Personal geht immer vor!
Stellt Euch bloß vor, wie verunsichert und beunruhigt die Tierhalter durch die Diagnose und das ungewohnte Handling von Kanülen, Spritzen und Insulin sind. Mithilfe unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung könnt Ihr in der Praxis/Klinik üben und seid bestens vorbereitet, wenn Ihr zum ersten Mal ein Tagesprofil zur Einstellung eines Diabetikers anfertigt oder den Besitzer bei der Blutglukosemessung anweist.
Beim Handling empfiehlt es sich, 2 Personen am Tier zu haben: eine zum Fixieren, eine zum Blutabnehmen. Die meisten Patienten lassen sich die Blutentnahme am Ohr relativ geduldig gefallen. Bei unkooperativen Katzen solltet Ihr aber unbedingt entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen, zum Beispiel ein Handtuch als Versteckmöglichkeit für ängstliche Tiere an- bieten. Eine gute Vorbereitung ist wichtig.
Ihr braucht:
einen Tupfer
Desinfektionsmittel
einen Tupfer als kurzes Druckpolster zum Blutstillen
das Glukometer mit bereits eingestecktem Messstreifen
Um den Blutfluss etwas anzuregen, könnt Ihr das Ohr zunächst sanft massieren. Nach dem Desinfizieren ritzt Ihr mit der Stechhilfe die Haut im Ohr an. Bei guter Beleuchtung seht Ihr den Verlauf der Blutgefäße in der Ohrmuschel deutlich. Das Ohr während der Punktion bitte nicht abknicken. Die Messgeräte brauchen lediglich eine kleine Menge Blut, sodass Euch 1 Tropfen, der direkt mit dem Messstreifen aufgefangen wird, ausreicht. Wenn Ihr den Wert mithilfe des Glukometers ermittelt habt, könnt Ihr noch für einige Sekunden fest mit einem Tupfer auf die Punktionsstelle drücken. Meistens ist das aber gar nicht nötig, da die Blutung sofort wieder zum Stillstand kommt.
Unser Tipp!
CentriVet GK
Blutzucker- und Keton-Messgerät, einsetzbar für mehrere Tierarten.
Eine heiße Rolle ist eine vielseitig einsetzbare physiotherapeutische Behandlungsmöglichkeit beim Tier, die Du als Tiermedizinische Fachangestell- te gut durchführen kannst. Zur richtigen Anwendung gibt es hier einige Infos und Tipps.
Die heiße Rolle ist eine Form der Thermotherapie. Dem Körper wird über die warmen und feuchten Tücher Wärme zugeführt, die gut ins Gewebe eindringt. Gleichzeitig ist es durch die Bewegungen, die man mit dem Hand- tuch auf das Tier ausübt, auch eine Massagetechnik.
Wie wirkt die Anwendung?
Durch die lokale Hauterwärmung kommt es reflektorisch zu einer Weitstellung der Gefäße (Vasodilatation). Diese findet im behandelten Bereich, aber reflektorisch auch im gegenüberliegenden Gebiet, z.B. in der kontrala- teralen Gliedmaße, statt. Dadurch wird der Stoffwechsel im Gewebe gesteigert. Schadstoffe und auch Lymphe können besser abfließen. Nährstoffe dagegen können besser antransportiert werden.
Die Muskulatur zeigt reflektorisch eine Entspannung, die Nervenleitgeschwindigkeit wird erhöht und das Bindegewebe lockerer.
Dies führt zu:
Schmerzlinderung (analgetische Wirkung)
Entzündungshemmung (antiphlogistische Wirkung)
Durchblutungsförderung (hyperämisierende Wirkung)
Muskelentspannung (detonisierende Wirkung)
Lockerung des Bindegewebes
Du kannst die Therapie daher sehr gut bei Patienten mit schmerzhaften und degenerativen Prozessen wie Arthrosen, Spondylosen, Muskelverspannungen, Nervenschmerzen, Narben und Fibrosierungen (Umwandlung von organspezifischem Gewebe in Bindegewebe) durchführen.
Gut zu wissen
Nicht anwenden solltest Du die heiße Rolle bei Patienten mit: • Herz-Kreislauf-Erkrankungen • akuten Entzündungen • Infektionen • offenen Wunden • Durchblutungsstörungen • Lymphabflussproblemen • Tumorerkrankungen
Wie führst Du die Anwendung durch?
Du benötigst nur wenige Utensilien:
1 Handtuch
heißes Wasser
Das Handtuch wird der Länge nach einmal zusammengefaltet und dann sehr fest zusammengerollt. Möglichst so, dass ein Trichter entsteht (Abb. 1). In diese Rolle kannst Du nun von oben das Wasser reingießen, bis es den Trichter erreicht und das Handtuch durchfeuchtet ist.
TIPP
Fülle die Rolle aber nur soweit mit Wasser, dass Du sie an der Trichterspitze noch gut anfassen kannst.
Mit dem Handtuch streichst Du nun von hinten nach vorne (herzfern beginnend) am Rücken des Tieres entlang (Abb. 2). Das Handtuch verweilt mit leicht drückenden und rollenden Bewegungen immer einen Moment an der Stelle, an der Du Dich gerade befindest. Du darfst mit der heißen Rolle nicht zu lange an einer Stelle verweilen, damit es für Deinen Patienten nicht schmerzhaft wird. Du kannst spüren, dass es auch in Deiner Hand etwas unangenehm wird, wenn Du lange an einer Stelle verweilst, spätestens dann streichst Du weiter nach vorne. Dabei wird das Handtuch zwischendurch ab und zu umgekehrt nach außen gewickelt, damit der innere, noch heißere Teil frei wird. So arbeitest Du Dich immer weiter nach vorne. Diesen Vorgang kannst Du nach dem Prinzip einer Massage mit Veränderung der Behandlungsintensität mehrmals wiederholen. Am Ende der Behandlung kannst Du abschließend das ganze Handtuch noch einmal auf dem Rücken des Tieres ausbreiten und leicht andrücken. Die Behandlung dauert etwa 10–20 Minuten. An den Gliedmaßen arbeitest Du nach demselben Prinzip von unten nach oben (von distal nach proximal) für ca. 5–10 Minuten an jedem Bein.
Nach Anwendung der heißen Rolle können noch andere physiotherapeutische Maßnahmen durchge- führt werden. Wenn die Hunde danach gleich nach Hause bzw. nach draußen gehen, kannst Du den Be- sitzer gerne darauf hinweisen, dass er dem Hund einen Mantel anziehen kann, damit er nicht gleich wieder auskühlt und der Effekt wieder aufgehoben wird.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Unser Tipp!
EU-Heimtierausweis
Qualitativ hochwertiger Heimtierausweis mit der Kennung DE 12.
Jeder von Euch, der schon einmal eine Ohrenentzündung hatte, weiß, wie schmerzhaft das sein kann. Umso verständlicher ist es, dass viele Tiere bei einer Ohrenuntersuchung sehr wehrhaft sind.
Ihr solltet Euch und das Tier auf Eurem Behandlungstisch vor Verletzungen schützen. Am besten ist es, wenn einer von Euch für das Fixieren (Abb. 1.) zuständig ist, während der Andere die Ohren reinigt. Im Zweifelsfall lieber auch einem freundlichen Hund einen Maulkorb aufsetzen. Denn wenn es an die Ohren geht, verstehen viele keinen Spaß!
Ohrentropfen erst nach der Diagnostik
Die Ohrenuntersuchung wird natürlich zuvor von Eurem Tierarzt durchgeführt (Abb. 2). Dabei streckt er das äußere Ohr nach oben, um den Gehörgang besser einsehen zu können. Heute ist es in der Praxis üblich, einen Abstrich zu nehmen, um mikroskopisch differenzieren zu können, wo das Problem liegt: Bakterien, Hefen, Milben… Die Ursachen einer Otitis sind vielfältig. Ohne ordentliche Diagnostik ein verschreibungspflichtiges Medikament zu verabreichen oder zu verkaufen, kann ernste Folgen haben: rechtliche, aber auch gesundheitliche. Dem Tier kann ein großer Schaden entstehen, wenn zum Beispiel das Trommelfell nicht intakt ist, aber bestimmte Ohrentropfen verwendet werden.
TIPP
Weist Eure Besitzer unbedingt darauf hin, dass sie wegen der großen Verletzungsgefahr auf keinen Fall Wattestäbchen für die Ohrreinigung verwenden dürfen. Auch angebrochene Ohrentropfen vom letzten Mal sind tabu.
Sind die Ohren stark verschmutzt, sollten sie vor der Applikation eines wirkstoffhaltigen Medikaments zunächst mit einem passenden Ohrreiniger gesäubert werden. Habt Ihr es mit 2 entzündeten Ohren zu tun, verwendet für jedes Ohr einen separaten Aufsatz, um eine Keimverschleppung bei der Applikation von Ohrreiniger oder wirkstoffhaltigem Medikament zu vermeiden. Mit praktischen Einmal-Ampullen arbeitet Ihr immer hygienisch und das Dosieren fällt ganz leicht: 1 Ampulle pro Ohr. Praktischerweise gibt es bei den Medikamenten Produkte, bei denen mit einem Pumphub genau die richtige Menge an Wirkstoff in das Ohr appliziert wird. Sehr hilfreich für unkooperative Patienten oder überforderte Besitzer sind Medikamente, die nur 1-mal pro Woche in der Praxis angewendet werden müssen.
TIPP
Am Tag der nächsten Kontrolle sollten zu Hause keine Medikamente angewendet werden, damit Euer Tierarzt das Ohr vollständig untersuchen kann.
Gut zu wissen
Vor allem Freigänger-Katzen leiden häufig unter Ohrmilben, was Ihr an einem schwarzen, krümeligen Belag in den Ohrmuscheln deutlich erkennen könnt. Zusätzlich zum Antiparasitikum solltet Ihr die Ohren auch lokal reinigen. Der hochgradige Juckreiz veranlasst viele feline Patienten, bei dieser Prozedur mit den Hinterpfoten mit zu kratzen. Also passt auf Eure Hände und die scharfen Krallen auf.
Unser Tipp!
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