Prophylaxe für alle!

Vorsorge ist immer besser als Nachsorge! Neben regelmäßigen tierärztlichen Gesundheitskontrollen zählt vor allem die mpfung beim Kaninchen zur Krankheitsprophylaxe. Zwei Krankheiten können hierbei vorbeugend behandelt werden: RHD-1 und -2 sowie Myxomatose. Tina Elisabeth Brezina berichtet über die Bedeutung der Myxomatose-Prophylaxe.

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Myxomatose ist hochinfektiös

Der Krankheitserreger der Myxomatose ist ein Leporipoxvirus, d. h. ein Pockenvirus. Es ist für Wildkaninchen, Hauskaninchen und Feldhasen hochansteckend und lebensbedrohlich. Übertragen wird das Virus über direkten und indirekten (z. B. Futter, Gegenstände) Kontakt sowie blutsaugende Insekten (wie Flöhe und Stechmücken). Durch den Klimawandel treten Krankheitsfälle heutzutage das ganze Jahr über auf.

Welche Symptome treten auf?

Die Inkubationszeit liegt bei ca. 4–21 Tagen. Die Symptome können in eine ödematöse oder knotige Form eingeteilt werden.

Bei der ödematösen Variante, auch akute Form genannt, finden sich folgende Symptome:

  • Schwellungen an Augen, Lidern, Nase und Nasenrücken (Abb. 1)
  • Augen- und/oder Nasenausfluss
  • Atemnot
  • Schwellungen von Lippen, Maul, Rachen und Kehlkopf
  • Schluckbeschwerden
  • reduzierte bis fehlende Futteraufnahme
  • Gewichtsverlust
  • Schwellungen am Ohrgrund und in der Anogenitalregion (Abb. 2)

Bei der knotigen oder auch chronischen Form finden sich Verdickungen derHaut und Unterhaut. Diese können sich entzünden oder nekrotisch werden.

Eine gezielte Behandlung ist nicht möglich

Die Erkrankung kann nur unterstützend behandelt werden. Zwangsfütterung, Schmerzmittel, Immunstimulatoren, eine Infusionstherapie und intensive Pflege können versucht werden. Bei einer bakteriellen Sekundärinfektion kann eine Antibiose nötig sein.

Die Prognose für die ödematöse Form ist schlecht bis infaust und für die knotige Variante schlecht. Letztendlich bleibt oft nur die Euthanasie. Eine Notimpfung, wie sie bei RHD versucht werden kann, ist bei Myxomatose kontraindiziert.

Welche Prophylaxe ist empfehlenswert?

Da eine gezielte Behandlung nicht möglich ist, sind prophylaktische Maßnahmen besonders wichtig.

Du kannst den Besitzer gezielt über eine geeignete Prophylaxe beraten:

  • Mückenschutz, z. B. Insektengitter, Spot-on-Präparate gegen Mücken und Flöhe
  • Wildtierschutz, z. B. Doppelgitter
  • Frischfutter – Pflückwiesen sorgfältig auswählen
  • Quarantäne für neue Tiere (mindestens 21 Tage)
  • lückenloser Impfschutz

Tipp:
Pflückwiesen sollten im Idealfall abseits von Straßen, wildreichen Regionen und frequentierten Hundestrecken liegen. Ganz ermeiden kann man möglicherweise kontaminiertes Frischfutter nicht. Seuchenkarten, wie sie im Internet zu finden sind oder bei Euch dokumentierte Fälle können helfen, stark betroffene Areale zu vermeiden.


Aktuell sind einige Impfstoffe in Deutschland gegen Myxomatose zugelassen. Je nach Produkt kann bereits ab der 4. Lebenswoche geimpft und halbjährlich bis jährlich geboostert werden.

Gut zu Wissen

Wusstet Ihr, dass man auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts die aktuell in Deutschland für Tiere zugelassenen Impfstoffe nachlesen kann?
Leider sind nicht immer alle zugelassenen Produkte erhältlich.
Nähere Informationen findet Ihr unter:
www.pei.de

Schutzmaßnahmen in der Praxis

Tipp:
Myxomatose ist hochansteckend, deshalb sollte beim Umgang mit potenziell erkrankten Patienten in der Praxis stets ein hohes Hygienekonzept verfolgt werden.

Empfehlenswertes Hygienekonzept:

  • Verdächtige Tiere sollten zunächst außerhalb der Praxisräume warten und dann in gut desinfizierbaren Räumen oder Extrabereichen untergebracht werden.
  • Zum Schutz anderer Patienten sollten stets Schutzanzüge (z. B. Einweg-OP-Mäntel), Handschuhe und Schuhüberzieher vom involvierten Personal verwendet werden.
  • Viruzide Desinfektionsmittel, die gegen behüllte Viren wirken, sollten den Herstellerangaben entsprechend einwirken und zur speziellen, aber auch zur Flächendesinfektion verwendet werden.

Gut zu Wissen

Die DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft) hat einen Ausschuss zur Desinfektion in der Veterinärmedizin gegründet und
eine Desinfektionsmittelliste auf ihrer Homepage zur Verfügunggestellt.
Hier findet Ihr wichtige Informationen für die Anwendung geeigneter Präparate in der Tierarztpraxis:
www.desinfektion-dvg.de

Kurz und knapp

Myxomatose ist eine hochansteckende Erkrankung. Eine fundierte Impfaufklärung aller Kaninchenbesitzer durch Tierärzte und tiermedizinische Fachangestellte bildet eine wichtige Basis einer flächendeckenden Krankheitsprophylaxe.

Tina Elisabeth Brezina
Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger
Zentrum für Tiergesundheit
Im Rollfeld 58
76532 Baden-Baden
info@tierarzt-baden-baden.de