Wie Du Tropfen und Salben richtig verabreichst

Ein typischer Anruf im Praxisalltag: „Hallo, mein Hund hat ein gerötetes Auge. Ich habe hier noch die Augentropfen vom letzten Mal, kann ich die einfach nehmen?” Wie gehst Du vor?

Abb.1 | Die Verabreichung eines Augenmedikaments setzt eine Untersuchung des Auges voraus. 
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Von Dir sollte daraufhin ein klares, aber freundliches „Nein” kommen. Erkläre dem besorgten Tierhalter, dass angebrochene Augenmedikamente unbedingt nach der Anwendung entsorgt werden sollten. Geöffnete Tropfen und Salben könnten mit Bakterien kontaminiert oder der Wirkstoff nicht mehr stabil sein.

Augenmedikamente sind sehr speziell und müssen zur jeweiligen Verletzung/ Krankheit passen. Bei einem Defekt in der Hornhaut darf z.B. kein kortisonhal- tiges Produkt angewendet werden. Im Zweifelsfall macht man es mit einer Eigenmedikation nur noch schlimmer. Wenn Du dem Besitzer das so erklärst, wird er bestimmt einen Termin zur Augenuntersuchung vereinbaren.

Ist das Tier untersucht (Abb. 1), die Diagnose gestellt und ein passendes Medikament vom Tierarzt ausgewählt, bist Du wieder an der Reihe.

Demonstriere dem Tierhalter am besten gleich, wie man die Tropfen richtig anwendet (Abb. 2):

  • Die Nase des Tieres fast senkrecht halten,
  • sich zur Sicherheit mit dem Handballen am Oberkopf abstützen,
  • gleichzeitig das Oberlid etwas nach oben ziehen und,
  • nun einen Tropfen von oben in das Auge fallen lassen,
  • Fertig!

Um zu üben, wie fest Du drücken musst, bis ein Tropfen aus dem Fläschchen kommt, kannst Du vorher auf einem Papiertuch einen Tropfen verwerfen.

Ein guter Tipp für die Anwendung von zähen Salben: Die Salbe vor der Anwen- dung etwas in der Hosentasche anwärmen, so wird sie geschmeidiger. Dann stützt Du Dich zur Sicherheit wieder mit dem Handballen am Kopf ab, ziehst Dir das untere Lid vorsichtig nach unten, drückst einen ca. 1–2 cm langen Streifen Salbe ins untere Lid und lässt es langsam wieder los. Durch das Blinzeln verteilt sich die Salbe von alleine im Auge.

Gut zu wissen

Instruiere die Besitzer, sich genau an die Dosierung des Tierarztes zu halten, auch wenn dies ein organisatorischer Aufwand für sie ist. Manche Augenmedika- mente müssen mehrmals täglich angewendet werden, um eine gute Heilung zu erreichen.
Abb. 2 | Stütze Deinen Handballen bei der Applika- tion von Tropfen und Salbe am Kopf ab, damit Du das Auge bei einer Abwehrbewegung des Tieres nicht versehentlich verletzt.
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Sara Roller
TFA & freie Autorin
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