Von der Voruntersuchung bis zum OP-Tisch

Von der Voruntersuchung bis zum OP-Tisch

OP-Vorbereitung

Die Wichtigkeit von uns Tiermedizinischen Fachangestellten als Teampartner in der OP-Assistenz und bei der Patientenversorgung zeigt sich schon in der Vorbereitung der OP-Planung. Unsere kleinen und großen Patienten wollen wir optimal versorgen. Für den reibungslosen Ablauf der Assistenz vor, während und natürlich auch nach einer Operation sind wir als TFA nicht mehr wegzudenken.

Abb.1 | Utensilien für den Venenzugang. © Janine Nielsen

Bei der Voruntersuchung sind wir beruhigend an der Seite unseres Patienten und dessen besorgten Besitzers. Wir nehmen Anamnesen auf, unterstützen die Behandlungen und führen die wichtigen Laboruntersuchungen für eine anstehende Operation durch. Wir übernehmen nicht nur den Erstkontakt am Telefon, die Aufnahme und Behandlung in der Praxis, sondern auch den begleitenden, überwachenden und während der Operation auch wichtigen Part der OP-Assistenz. 

Gut zu wissen

Auch der neue Delegationsrahmenplan für TFA, erstellt vom Verband medizinischer Fachberufe e.V. in Zusammenarbeit mit dem BPT, unterstützt uns bei der selbstständigen Ausführung dieser Tätigkeiten. Ihr findet ihn unter: https://www.vmf-online.de/2023-01-31-delegation-tfa

„Bitte nüchtern lassen“ 

Was bedeutet es eigentlich, nüchtern zur OP? Wir wissen zu gut, dass die Aussage „bitte nüchtern lassen“ gerne auf vielerlei Seiten interpretiert wird. 

Tipp: Um zu vermeiden, dass es zu Missverständnissen bei dieser Frage kommt, erstelle ich gerne einen kleinen Fütterungsplan mit genauen Angaben. Wann, und nach Rücksprache mit dem Besitzer, auch womit gerne gefüttert werden darf.

Nüchtern bedeutet für die meisten meiner Patienten, dass sie 8 Stunden nichts gefressen haben und 2 Stunden vor der Operation kein Wasser mehr zur Verfügung gestellt bekommen. Dies ist wichtig, um die Gefahr der Aspiration von Futter oder Wasser im Falle der medikamenteninduzierten Übelkeit mit Erbrechen zu vermeiden. 

Achtung: Welpen dürfen nicht hungern und sollen bis zu 2 Stunden vor der Operation gerne mit kleinen Futtermengen versorgt werden.

Teampartner sein bedeutet viel Verantwortung

Der Patient soll nicht lange warten müssen, um die Aufregung möglichst gering zu halten. Der OP muss sorgfältig und unter Einhaltung der entwickelten Standards für den Patienten vorbereitet, Infusionen eingestellt und Beatmungsgeräte betriebsbereit gemacht werden. 

Tipp: Es gibt mittlerweile viele Fortbildungsmöglichkeiten, um die Eigenverantwortung und das Verständnis für die Anästhesie und die OP-Assistenz zu vertiefen.

In Praxen, in denen wir als Teampartner eigenverantwortlich arbeiten dürfen, können wir das Aufklärungsgespräch vor der Annahme des Patienten und Einleitung der Narkose selbst durchführen. Die Vorbesprechung für die Narkose findet in kleiner Teamrunde statt, um den Operationsverlauf, das Narkoserisiko und die notwendigen Medikamente festzulegen. Jeder Patient muss vor Einleitung einer Narkose oder Sedation noch einmal allgemein untersucht und die Narkosefähigkeit und das Narkoserisiko anhand des vorher besprochenen Anästhesieprotokolls bestätigt werden. Nach Anweisung des Tierarztes werden die Narkose und Schmerzmitteldosierungen auf den Patienten angepasst, im Narkoseprotokoll festgehalten und von der TFA vorbereitet. 

Nur mit venösem Zugang können Medikamente und Infusionen gezielt dosiert werden

Wir setzen die Braunüle (Abb. 1) gerne in die Vena cephalica, die Vena saphena kann alternativ bei Hundepatienten gewählt werden. Es ist oft hilfreich und für Hundepatienten beruhigend, wenn der Besitzer sich in Sichtweite stellt und dem Patienten beruhigend zur Seite steht. Dies kann auch zur Einleitung der Sedation oder auch Allgemeinnarkose sinnvoll sein. 

Der Stauschlauch wird über dem nächstgelegenen Gelenk angebracht, die Vene frei geschoren. Zur Hautdesinfektion wird ein alkoholhaltiges Hautdesinfektionsmittel verwendet. Die Flügelchen der Braunüle biegen wir leicht zurecht, lösen den Mandrin und platzieren den Venenzugang.

Eine Rückstromsperre (Abb. 2) wird auf den Konus geschraubt, um Medikamente und Infusionen ohne Blutrückfluss applizieren zu können. Die kleine Abdeckkappe der Braunüle (Abb. 3) wird beim Transport des Patienten und zum Schutz vor Verkeimung immer auf die Rückstromsperre angebracht. Fixiert wird die Braunüle mit 3 Leukopor- oder Leukosilk-Streifen. 

Tipp: Ein Spülen des Venenzugangs mit NaCl kontrolliert den korrekten Sitz.

Der Patient kann nun gezielt intravenös narkotisiert und notwendige Analgetika appliziert werden.

Intubation sichert die Atmung

Da viele Narkotika Atemdepressionen auslösen können, liegen zur Intubation alle notwendigen Utensilien (Abb. 4) in direkter Griffbereitschaft. Der zu intubierende Patient wird in Brust-Bauchlage verbracht. Die Assistenz öffnet das Maul und zieht die Zunge vor, um den Kehlkopf darzustellen. Mit einer Intubationshilfe kann der Tubus in die Trachea eingebracht werden. Der Cuff wird geblockt, um das Verrutschen des Tubus zu verhindern und die Trachea abzuschließen. Zur Versorgung mit Sauerstoff und gegebenenfalls Inhalationsanästhetikum wie Isofluran wird der Patient an das Inhalationsnarkosegerät angeschlossen und durchgehend mit Hilfe des Pulsoxymeters überwacht. 

Abb.4 | Utensilien für die Intubation. © Janine Nielsen

Den Patienten wärmen und eine Hyperthermie vermeiden

Die OP- Fläche wird nun sorgfältig frei geschoren. Die Haare werden entfernt und der Patient auf die OP-Auflage gelagert. 

Tipp: Um eine Hyperthermie zu verhindern (Abb. 5), sollte die OP-Auflage mit einer Wärmequelle vorgewärmt sein und die Körperinnentemperatur durchgehend kontrolliert werden. 

Die Haut wird nun mit Prontocare gereinigt. Für eine aseptische Hautdesinfektion müssen Einwirkzeiten eingehalten werden und die Haut von Fett und Schmutzablagerungen befreit sein.

Das EKG mit 3 Punktableitung (Abb. 6), die durchgehende Blutdruckmessung und die Kapnometrie gehören ebenfalls zu einem guten Standard. Im Narkoseprotokoll werden alle Vitalwerte und gegebenenfalls Veränderungen in der Medikation vermerkt. Das sterile Abdecken mit Einmaltüchern übernimmt die TFA der OP-Assistenz. Der Instrumententisch wird eingedeckt und der Chirurg für seinen Einsatz steril angezogen. 

Kurz und knapp

Bei der Versorgung unserer Patienten müssen wir in der Zusammenarbeit unsere Stärken einbringen und aufeinander eingespielt sein. Eine gute Vorbereitung, Standards und gezielte Handgriffe reduzieren Stress und schaffen Vertrauen. Fortbildungen geben uns die Möglichkeit, Fachwissen zu erlangen und mit Chirurgen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ein starkes Team ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung der Patienten.

Step by Step

Step by Step

Röntgen des Hamsters

Die Untersuchung eines Hamsters kann aufgrund seiner Größe und seiner doch recht scharfen Zähne schon schwierig genug sein, aber qualitativ gute Röntgenaufnahmen sind im wachen Zustand häufig kaum möglich. Besonders wenn man seine eigenen Finger sachgemäß vor Röntgenstrahlen schützen möchte. 

Abb.1 | Für eine laterolaterale Röntgenaufnahme wird der Patient auf der gewünschten Seite gelagert. Die Vorder- und Hinterbeine werden vorsichtig ausgezogen und ohne starken Zug festgeklebt. © Tina Elisabeth Brezina

Kurznarkose ist vorzuziehen

Röntgenaufnahmen am wachen Tier können vereinzelt bei sehr zahmen oder sehr schwachen/kranken Tieren gut klappen. Ich empfehle zum Schutz aller Beteiligten jedoch eine kurze Narkose oder Sedierung. Hierfür kann zum Beispiel eine Inhalationsnarkose oder eine vollständig antagonisierbare Injektionsnarkose verwendet werden.

Tipp: Nehmt zum Festkleben des Patienten Materialien, die gut vom Tier lösbar sind. Achtet auch darauf, dass das genutzte Material möglichst nicht röntgendicht ist. Wir verwenden gerne Leukosilk.

Abb.2 | Für eine ventrodorsale Aufnahme wird der Patient auf dem Rücken gelagert. Ist das Tier durch eine Narkose erschlafft, muss man es meist gar nicht festkleben. © Tina Elisabeth Brezina

Abb.3 a,b |Röntgenbilder eines männlich unkastrierten Hamsters in seitlicher (a) und rückenliegender (b) Position (KV 40, mAs 1,6). Auffallend sind eine Umfangsvermehrung an der linken seitlichen Brustwand (Pfeil) und eine Weichteilschwellung der rechten Gesichtshälfte (Pfeilkopf). © Tina Elisabeth Brezina

Tipp: Müsst Ihr doch mal einen Hamster wach röntgen, versucht den Nackengriff zu vermeiden. Erstens haben Hamster sehr viel Nackenhaut und können sich trotz Fixierung umdrehen, und zweitens können durch zu starken Zug die Augen vorfallen und geschädigt werden. 

Kurz und knapp

Die Röntgenuntersuchung beim Kleinnager, wie einem Hamster, ist eine wichtige diagnostische Möglichkeit. Eine Kurznarkose kann gleichzeitig auch noch für andere Untersuchungen – zum Beispiel der Maulhöhle und Backentaschen – genutzt werden.


Fachgerechter Umgang mit Exoten

Fachgerechter Umgang mit Exoten

Schildkrötenernährung

Zu den ungewöhnlichsten Patienten in der Kleintierpraxis gehören Schildkröten. Wenn man sich als Nichtschildkrötenhalter warum ausgerechnet Tiere die man nicht knuddeln kann, so häufig gehalten werden. Dies werden die jedoch meisten Schildkrötenhalter ebenso vehement wie die Unterstellung, dass man zu ihnen keine nennenswerte Beziehung aufbauen kann, bestreiten. Dabei muss uns auch bewusst sein, dass Schildkröten die ältesten Tiere in der Tierarztpraxis überhaut sind. Sehr häufig handelt es sich um Tiere die bereits über Jahrzehnte bei ihren Besitzern leben und nicht selten auch einen Generationenwechsel der Besitzer miterlebt haben. 

Dennoch ist es immer wieder erstaunlich welche grundlegenden Fehler in der Haltung gemacht werden können. Dabei ist eine fehlerhafte Ernährung der mit Abstand häufigste Haltungsfehler.

Schildkröten – Ernährungsphysiologisch keine einheitliche Tiergruppe

Der größte Fütterungsfehler entsteht, wenn man versucht die etwa 350 Schildkrötenarten zu vereinheitlichen. So wurden Ende der 80 und in den 90- iger Jahren „Schildkötenfutter“ verkauft, die die Besonderheiten sehr vieler Arten insbesondere der Landschildkröten nicht berücksichtigten. Versucht man Schildkröten unter dem Aspekt der Lebensweise und damit auch der Ernährungsphysiologie einzuteilen wird man auf 3 (5) verschiedene Gruppen stoßen.

  1. Meeresschildkröten
  2. Landschildkröten mit den 3. tropischen Landschildkröten
  3. Wasserschildkröten mit den 5. Sumpfschildkröten

In der tierärztlichen Praxis spielt die kleinste Schildkrötengruppe, die der Meeresschildkröten natürlich keine Rolle. Dennoch ist es erwähnenswert, dass sich die Tiere primär von Kopffüsslern, Quallen gelegentlich von Fischlaich und im Erwachsenalter überwiegend vegetarisch ernähren. Fische selbst nehmen – anders als vermutet – bei allen 8 Arten nur eine sehr untergeordnete Stellung in der Ernährung ein.

Die knapp 60 bekannten Landschildkröten sind primär Vegetarier, die aber keinesfalls einen einheitlichen Ernährungsbedarf haben. Grob kann man sie in 2 Gruppen einteilen. Zunächst die subtropisch, in (halb)trockenen ((semi)ariden) Gebieten vorkommenden Landschildkröten, zu denen auch die am häufigsten gehaltenen mediterranen Landschildkröten gehören, und ferner die tropischen Landschildkröten.

Die (Süss-)Wasserschildkröten und die Sumpfschildkröten sind überwiegend omnivor also allesfressend. Jedoch kommen in dieser Gruppe neben reinen Vegetarier auch reine karnivore Arten vor. 

Herkunft und Anpassung der mediterranen Landschildkröten an ihren Lebensraum

Am häufigsten werden die mediterranen Landschildkröten der Gattung Testudo in der Tierarztpraxis vorgestellt. Zu ihnen zählen neben der Griechischen- die Maurische-, die Breitrand- sowie im erweiterten Gattungsbereich die russische bzw. Steppenschildkröte und ferner die selten gehaltene Ägyptische Landschildkröte. 

Um besser zu verstehen, welche Ansprüche die Tiere an die Ernährung stellen, muss man sich die natürlichen Gegebenheiten vor Augen führen. Die Tiere entstammen dem Mittelmeer-(mediterranem) und dem Steppen- (semiariden) Klima. Beiden Klimazonen ist gemeinsam, dass sie einen heißen trocken Sommer und einen mehr (=> mediterranes Klima) und oder weniger feuchten Winter (=> semiarides Klima) aufweisen. Da die Tiere wechselwarm (poikilotherm) sind, erstreckt sich ihre Aktivitätsphase von (unserem) Vorfrühling bis in den Spätherbst. Ab dem Spätfrühling ist das Klima des natürlichen Lebensraums von einer zunehmenden Trockenheit geprägt. Erst ab dem Frühherbst kommt es zu nennenswerten Niederschlägen. 

Durch diese Gegebenheiten verändert sich über das Jahr auch der Nährstoffgehalt im Futter der Landschildkröten massiv. Frisches nährstoffhaltiges Grün(futter) gibt es für die Tiere nur in der Zeit von unsrem Frühherbst bis in den späten Frühling, wobei der Winter in der Winterruhe verbracht wird. Die restliche Aktivitätsperiode der Landschildkröten findet in der zunehmend „heißen“ Trockenzeit statt. 

Während dieser Periode ist die pflanzliche Nahrung durch 3 Faktoren gekennzeichnet:

  1. ballaststoff- (=rohfaser-)reich
  2. nährstoffarm
  3. eiweißarm

Sowohl an die geringen Wassermengen als auch dieses Nahrungsangebot ist die Physiologie der Tiere hervorragend angepasst. 

Fütterungsempfehlungen für mediterrane Landschildkröten

Da Landschildkröten aus trocken Klimazonen über einen erweiterten Dickdarm verfügen, können sie rohfaserreiche Nahrung mittels der mikrobiellen Dickdarmflora gut verwerten. Einen analogen Darmaufbau mit „Gärkammern“ im Dickdarmbereich besitzen z.B. Pferde und Kaninchen, die aus ähnlichen Klimazonen stammen. Für die Ernährung der mediterranen eignen sich am besten ungiftige Wiesenkräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Wegerich, Malven etc. Dabei ist zu bedenken, dass auch frische Kräuter einen relativ hohen Nährstoff- und Eiweißgehalt aufweisen und ebenfalls zu einer starken Stoffwechselbelastung führen können. Somit sollten sie mit Heu oder auch Heupellets ergänzt bzw. „gestreckt“ werden, um sie „weniger nahrhaft“ zu machen. Darüber hinaus eignen sich auch Blätter von Hasel, Erdbeeren und Obstbäumen als Grundlage gut. 

Ferner ist den Tieren dauerhaft eine Kalziumquelle (wie Sepiaschale oder Eierschalen) zur Verfügung zu stellen. Obwohl in der Regel bereits die Feuchtigkeit aus frischen Futterpflanzen ausreichend ist, um den Wasserbedarf der Tiere zu decken, sollten sie in regelmäßigen Abständen Zugang zu frischem Wasser haben.

Beachte!
Das Wachstum der mediterranen Landschildkröten ist NICHT das entscheidende Maß für die Gesundheit der Tiere. Vielmehr haben Vergleichsstudien gezeigt, dass die Tiere in der Natur langsamer als in der menschlichen Obhut wachsen. 

Fütterungsfehler bei mediterranen Landschildkröten

Zuckerhaltige Ernährung

Sollte eine mediterrane Landschildkröte in der Natur eine süße Frucht wird sie mit Heißhunger verschlungen. Dies hängt primär damit zusammen, dass in der Natur einfache Zucker aber auch Nährstoffe wie Eiweiß und Fett Mangelware sind. Daher ist der Verdauungstrakt nicht auf die vermehrte Aufnahme von einfachen Zuckern ausgelegt. Denn deutlich besser als die Schildkröte können die Mikroorganismen im Darm diese Zucker verdauen. Es kommt zu einer Verschiebung der Darmflora und Fauna. Angetrieben von dieser Ernährung können sich beispielweise gramnegative Bakterien (u.a. Enterobakterien (Enteriobacteriales)) und Einzeller (Flagellaten, Amöben und Cilliaten), geradezu massenhaft vermehren und Durchfälle folgen. Obst und Gemüse wie Tomaten (zu viel Zucker und Oxalsäure), frische Him- und Erdbeeren (zu viel Zucker), Kopfsalat und Gurke (zu viel Wasser zu wenig Rohfaser) sollten daher gemieden werden. 

Eiweißhaltige und energiereiche Ernährung

Auch Aas wird in der Natur gerne gefressen. Dennoch steht diese Eiweißquelle den Tieren nur extrem selten zur Verfügung. Dennoch kann man mit dieser Vorliebe erklären, dass es nicht nur bis in die anfänglichen 2000e Jahre Fütterungsempfehlungen für Katzenfutter gab, sondern auch kommerzielle „Schildkrötenfutter“ Bachflohkrebse und Fischmehl enthielten.  Selbst wenn sich die Empfehlungen geändert haben, bieten viele Tierhalter immer noch bevorzugt dieses Futter an, weil es den Tieren offensichtlich schmeckt. Tierisches aber auch ein Übermaß an pflanzlichem Eiweiß führt mittelfristig zu einer Überlastung und Schädigung der Nieren und kann zu Wachstumsstörungen (Rachitis) des Panzers führen. 

Das Abbau- bzw. Ausscheidungsprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel bei Vögeln und fast allen Reptilien ist die Harnsäure. Deren Salze die Urate sind sehr schlecht wasserlöslich. Für die Tiere resultiert der physiologische Vorteil, dass Wasser nur noch für den Abtransport aus der Niere nicht aber als Lösungsmittel benötigt wird. So wird der Wasserverlust über den Harn deutlich reduziert. Dieser Vorteil jedoch wird bei einer Nierenüberlastung zum Nachteil. Ist die die Nierenfunktion eingeschränkt oder wird vermehrt Harnsäure im Körper gebildet, kann bereits im Körper die Harnsäure ausfallen. Dies geschieht zunächst in den schlecht durchbluteten Regionen z.B. in den Gelenken. Da Harnsäure stark gewebsreizend ist entsteht als nicht infektiöse Entzündungsreaktion – Gicht. Eine vermehrte Harnsäuresynthese geht zumeist auf eine zu eiweißreiche Ernährung zurück, während die Nierenfunktion als Folge durch entzündliche, thermische (z.B. starke Kälte im Winterschlaf) Prozesse oder auch Vergiftungen eingeschränkt sein kann. Darüber hinaus stimuliert eine eiweiß- und energiereiche Ernährung den Schildkröten, die physiologisch aus „energetischen Mangelgebieten“ ein rasches Größenwachstum.

Kalzium nicht nur eine Herausforderung in der Fütterung

Sehr häufig fehlt der Nahrung jedoch (relativ) Kalzium, so dass das Knochen und auch das Panzerwachstum eingeschränkt wird. Als Folge treten je nach Ausprägung Höcker- bzw. Pyramidenbildungen aber auch stark abgeflachte weiche Panzer (tastbar!) auf. Da das Kalzium nicht nur für die Panzer- und Knochenfestigkeit, sondern auch für Muskelkontraktionen von entscheidender Bedeutung ist, wirken schwer betroffene Tiere schwach. Sie sind oftmals nicht mehr in der Lage beim Laufen den Bauchpanzer vom Boden abzuheben. Sie kriechen oder robben über den Boden. An den Hintergliedmaßen sind abgeschliffene Innenseiten der Füße, verlängerte Krallen ebenso wie abgeschliffene Panzerunterseiten (bzw. des Plastrons) die Folge. Hieraus entstehen Rötungen, die nicht selten nach einem Blick ins Internet als Blutvergiftung (Sepsis) missinterpretiert werden. 

Ferner ist auch Vitamin D für die Kalziumaufnahme von entscheidender Bedeutung. Vitamin D ist üblicherweise in der Nahrung in ausreichender Menge vorhanden, wird jedoch nur als inaktives Provitamin aufgenommen. Erst im Körper wird es über verschiedene Stoffwechselstufen aktiviert. Eine dieser Stoffwechselschritte ist die Umwandlung von Prävitamin D zu Vitamin D3, der unter UV-Licht Einfluss in der Haut stattfindet. Da UV-Licht im natürlichen Sonnenlicht vorhanden ist, benötigen Schildkröten in der Freilandhaltung kein zusätzliches UV-Licht. Für Tiere in der (Aqua)terrarienhaltung ist künstliches UV-Licht jedoch essentiell. Gut geeignet sind neben den „alten“ Quecksilberdampflampen, die moderneren Halogen-Metalldampflampen (HQI-Lampen). Deutlich weniger Strom verbrauchen jedoch moderne UV-LED Lampen, die jedoch in der Anschaffung teurer sind.

Tropische Landschildkröten

Anders als an Trockenheit adaptierte Landschildkröten haben tropische Landschildkröten im natürlichen Lebensraum häufiger Zugang zu frischen Früchten und zu tierischem Eiweiss. Bei diesen Arten ist der der Dickdarm deutlich keiner und weniger strukturiert als Arten aus Trockengebieten. (Frucht-)Zucker ist bei Ihnen ein fester Bestandteil der Nahrung und sollte in Form von Früchten regelmäßig verfüttert werden. Auch wenn bei den reinen Vegetariern eine stark eiweißreiche Ernährung vermieden werden muss, sollte darauf hingewiesen werden, dass einige Arten einen Anteil an tierischem Protein in der Nahrung benötigen.  

Häufiger als bei mediterranen Landschildkröten treten bei Ihnen Veränderungen des Panzers als Folge eines UV Licht Mangels auf, da in der Haltung direktes Sonnenlicht häufig fehlt. Unter diesem Aspekt muss darauf hingewiesen werden, dass auch Glas (z.B. Haltung im Gewächshaus) ein äußerst wirksamer UV-Filter ist.

Wasser und Sumpfschildkröten

Den am wenigsten spezialisierten Magendarmtrakt weisen die omnivoren Wasser- und Sumpfschildkröten auf. Der wenig ausgeprägte Dickdarm und der zumeist verlängerte Dünndarm zeichnen Tiere aus, die ihren Energiebedarf zu großen Anteilen aus tierischem Protein ziehen. Durch die fett- und eiweißhaltige Ernährung tritt bei Sumpf und Wasserschildkröten auch die Adipositas (Fettsucht) durch Überfütterung deutlich regelmäßiger als bei den vegetarischen Landschildkröten auf. Häufig weisen die Tiere durch eine relative (in Bezug zur Energieaufnahme) Kalziumunterversorgung zusätzliche Panzerdeformationen auf. Typischerweise wirkt der Panzer dieser Tiere zwei Nummern zu klein.  

Gleichzeitig fehlen in vielen Trockenfuttermitteln wichtige Vitamine. So ist eine (ernährungsbedingtes) Hypovitaminose A (Defizit von Vitamin) bei Wasserschildkröten an der Entstehung von Mittelohrentzündungen beteiligt. Dabei muss aber gleichzeitig darauf hingewiesen werden, dass Vitamin A in zu hohen Dosen bei Landschildkröten „giftig“* ist und bereits leicht zu einer Hypervitaminose mit einer generalisierten Hautablösung führt. Eine besondere Vorsicht ist somit auch vom Tierarzt in der Therapie angezeigt.

Obwohl viele kommerzielle Futtermischungen für diese Tiere erhältlich sind, darf der vegetarische Anteil der Nahrung nicht vergessen werden. 

*Anmerkung: natürlich benötigen auch Landschildkröten Vitamin A

Kurz und knapp

Schildkröten sind DIE Reptilien in den Tierarztpraxen. Wie die meisten Heimtiere sind sie in Ihrem Leben direkt von den vorgegebenen Haltungsbedingungen abhängig. Anders als jedoch bei vielen Säugetieren gibt es für die gänzlich unterschiedlichen Schildkrötenarten kein kommerzielles Alleinfutter, das alle physiologische Bedürfnisse auch im jahreszeitlichen Verlauf gleichermaßen abdeckt. Fütterungsfehler sind so leider bei vielen Haltern vorprogrammiert und eine der Hauptkrankheitsursachen dieser faszinierenden Tiere. Durch die enorme Leidensfähigkeit der Tiere werden jedoch Haltungsfehler vom Tierbesitzer häufig erst sehr spät entdeckt.


Exoten in der Tierarztpraxis

Exoten in der Tierarztpraxis

Achtung, Giftschlange!

Stärker noch als Riesenschlangen polarisiert der Gedanke an Giftschlangen die Menschen. Während die meisten Menschen sie als furchteinflößend empfinden, sind nicht wenige von der Eleganz der Tiere, der Farbgebung und der potenziellen Gefahr fasziniert. So werden auch Giftschlangen als Heimtiere gehalten. Helge Behncke informiert, was es zu beachten gilt.

Abb.1 | Als Typische Viper zählt die Nashornviper mit bis zu 4 cm langen Zähnen zu den Giftschlangen mit den größten Giftzähnen. © Helge Behncke

Die Halter dieser Tiergruppe bilden keine einheitliche Gruppe. Entsprechend der weitverbreiteten Vorurteile gibt es Giftschlangenhalter, die sich mit ihren Tieren (und meist auch mit dem lockeren Umgang mit den Tieren) eine gesellschaftliche Anerkennung erhoffen. Aber es gibt auch die gewissenhaften Halter, die mit einem wissenschaftlichen Anspruch die Haltung und den sicheren Umgang mit den Tieren optimieren.

Welche Giftschlangen gibt es?

Im Laufe der Evolution haben sich die Giftdrüsen bei den Schlangen aus Speicheldrüsen entwickelt. Dieser evolutionäre Schritt hat sich bei unterschiedlichen Schlangengruppen entwickelt. Von den 4.000 Schlangenarten gelten etwa 800 Arten als giftig, von denen wiederum etwa 100 Arten als gefährlich eingestuft werden. 

Vereinfacht lassen sich Giftschlangen in 3 Gruppen einteilen:

  • Vipern (Abb. 1)
  • Giftnattern (Abb. 2)
  • Trugnattern

Vipern
Vipern verfügen über einen verkleinerten Oberkiefer, der praktisch nur den zur Hohlnadel ausgebildeten Giftzahn trägt. Dieser stark vergrößerte Zahn wird beim Öffnen des Mauls aufgerichtet und injiziert das Gift tief in das Gewebe des Opfers. 

Die ca. 380 Arten spalten sich in 2 Gruppen auf. Zu den echten Vipern gehören unter anderem die Puffottern, aber auch die echten Ottern, zu denen die beiden in Deutschland beheimateten Giftschlangen die Kreuzotter und die extrem seltene Aspisviper (Abb. 3) zählen. Grubenottern verfügen über das namensgebende Grubenorgan, mit dem Wärme „gesehen“ werden kann. Die bekanntesten Grubenottern sind die Klapperschlangen.

Giftnattern
Giftnattern haben ebenfalls vergrößerte Zähne im vorderen Oberkiefer. Diese richten sich beim Biss aber nicht auf. Sie weisen tiefe Furchen auf, durch die das Gift in die Wunde des Opfers fließt. Die etwa 390 Arten lassen sich in 2 Gruppen aufteilen. Zu den eigentlichen Giftnattern gehören Kobras, Mambas und Korallenschlangen. Die 2. Gruppe bilden die Seeschlangen zusammen mit den australischen Giftnattern.

Trugnattern 
Eine sehr uneinheitliche Gruppe bilden die Trugnattern. Bei ihnen sind die Zähne des hinteren Oberkiefers mit einer Giftrinne versehen. Durch die weit hinten liegenden Giftzähne ist eine Vergiftung des Menschen bei den meisten Arten nicht möglich. Lediglich einzelne Arten aus dieser Gruppe, z.B. die afrikanische Boomslang, gelten als potenziell gefährlich.

Zwei verschiedene Toxintypen 

Die Giftdrüsen, die sich beidseits des Kopfes im Bereich der Kiefermuskulatur befinden, haben sich im Laufe der Evolution aus Speicheldrüsen entwickelt. Beim Toxin handelt es sich um im Laufe der Entwicklungsgeschichte umgewandelte „Verdauungsenzyme“ (Eiweißmoleküle). 

Entsprechend ihrer Wirkung kann man grob zwischen 2 Toxintypen unterscheiden: 

  • Hämotoxine schädigen primär das Gewebe und die Blutzellen. Es führt zu Gewebsnekrosen und Gerinnungsstörungen (und so nicht selten zu Nierenschäden). Dieser Gifttyp tritt vornehmlich bei Vipern auf. 
  • Neurotoxine greifen das Nervensystem an. Sie wirken lähmend und führen zum Atemstillstand, sie treten vor allem bei Giftnattern auf.

Gibt es ein passendes Gegengift?

Da Schlangengifte komplexe Eiweißmoleküle sind, lösen auch sie eine Immunantwort aus und führen zur Antikörperproduktion. Diese Eigenschaft nutzt man in der Gegengiftproduktion aus. Dabei werden meist Pferde oder Schafe mit niedrigen Dosen der Schlangengifte behandelt. Das (Blut-)Serum wirkt nach der Gewinnung und Aufbereitung als Gegengift (Antivenin bzw. Serum). Diese aufwendige Herstellung der Gegengifte macht die Seren relativ teuer. Zusätzlich haben sie nur eine begrenzte Haltbarkeit. 

Die Gifte der einzelnen Arten unterscheiden sich sehr. Da nach einem Bissunfall oft nicht klar ist, welche Art den Unfall ausgelöst hat, werden die Gegengifte nicht nur gegen Bisse einzelner Schlangenarten (= monovalent) hergestellt, z.B. gegen Bisse von Königskobras oder Taipane. Man produziert auch Gegengifte gegen verschiedene Schlangenarten (= polyvalent), z.B. europäische Vipern, „nordamerikanische Grubenottern“, indische und südafrikanische Schlangen. 

Exkurs: Giftig und richtig giftig

Von den weltweit 15 giftigsten Schlangen kommen 13 aus Australien, von denen der Inlandtaipan als die giftigste Schlange der Welt gilt. Die Giftmenge einer Schlange dieser Art reicht (theoretisch) aus, um 250 Menschen zu töten. Dennoch treten von den jährlich mehr als 80.000 Todesfällen durch Schlangenbisse weniger als 5 in Australien auf. Hingegen sterben vor allem durch die unzureichende medizinische Versorgung und die zu geringe Menge an Antiveninen in Indien jährlich mehr als 50.000 Menschen an den Folgen eines Giftschlangenbisses. Diese erschreckend hohe Zahl spiegelt dennoch nur einen Teil der Problematik wider. Die Anzahl der Menschen mit dauerhaften gesundheitlichen Schäden liegt nochmal um den Faktor 5 höher und wird von der WHO mit ca. 450.000 Menschen jährlich angegeben. 

Auch die Giftschlangenhaltung steht dem Problem der fehlenden Antivenine gegenüber. In Abhängigkeit der gesetzlichen Rahmenbedingungen (bundeslandabhängig) können in den Terrarien je nach Interesse des Halters nahezu alle Giftschlangenarten gehalten werden. Da die Gegengifte teuer sind und nur eine begrenzte Haltbarkeit haben, halten weder der Staat noch medizinische Einrichtungen entsprechende Gegengifte vor. Aus diesem Grund haben Giftschlangenhalter einen überregionalen Verein gegründet, der in unterschiedlichen Standorten in Deutschland wichtige Antiseren vorrätig hält und Hilfestellung bei Bissunfällen geben kann (Adresse im Kasten). 

Serum-Depot-Berlin ev.
Notrufnummer: +49 30 5444 5989
Geschäftsstelle: Gaupel 26, 48653 Coesfeld; Tel.: +49 2331 954414

Könnt Ihr eine Behandlung in Eurer Praxis anbieten?

Ist eine Giftschlange krank, wird der Besitzer sich an einen Tierarzt wenden. Ohne die Risiken zu bedenken, darf in dieser Situation die Behandlung weder von der TFA noch vom Tierarzt aus reiner Neugierde auf einen spannenden Fall angeboten werden. 

Achtung: Für die Behandlung von Giftschlangen gilt eine eindringliche Warnung! 

Giftbisse sind je nach Art nicht nur lebensgefährlich, sie können auch zu schwerwiegenden bleibenden organischen Schäden (Nierenschäden, Finger(-teil)-amputation etc.) führen. Auch Bisse von nur moderat giftigen Schlangen können lange Krankheitsphasen und berufliche Ausfallzeiten nach sich ziehen. 

Eine weitere Problematik hat einen rechtlichen Hintergrund. Sollte es zu einem Bissunfall kommen, haftet zwar grundsätzlich der Halter für Schäden. Kommt es aber im Rahmen der tierärztlichen Behandlung, z.B. während der Narkose oder der stationären Aufnahme zu einem Unfall, kann auch der Tierarzt für die Schäden haftbar gemacht werden. Gerade im Umgang mit gefährlichen Tieren müssen daher in einer Praxis klare Absprachen eingehalten werden. So lehnen aus diesen Gründen selbst viele reptilienkundige Tierärzte die Behandlung von Giftschlangen kategorisch ab und verweisen auf kompetente Kollegen.

Tipp: Informiert Euch daher bereits am Telefon, ob es sich um eine Giftschlange handelt und empfehlt einen fachkompetenten Kollegen.

Man kann sie vorher nicht „melken“

Wichtigste Maxime im Handling und in der Behandlung ist: Nicht beißen lassen. Kranke Tiere mögen langsamer sein als gesunde Schlangen, sind es aber nicht immer. Es gibt keine Möglichkeit, die Tiere im Vorfeld ungiftiger zu machen (Giftzähne entfernen/Gift „melken“). Man muss dem Tier mit dem nötigen Respekt und der entsprechenden Ruhe gegenübertreten. 

Achtung: Angst, aber auch Übermut durch Überschätzen der eigenen Fähigkeiten führen leicht zu Fehlern in der Behandlung von Gifttieren. 

So wenig Personal wie nötig

Im Rahmen der Behandlung müssen nicht nur der Tierarzt, sondern auch die benötigten Helfer mit dem Umgang der Tiere vertraut und absolut verlässlich sein. Gleichzeitig müssen die beteiligten Personen auf ein absolutes Minimum reduziert sein.

Verschiedene Hilfsmittel zum Schutz erleichtern die Arbeit (Abb. 4): 

  • Schlangenhaken: Der Schlangenhakenwird primär eingesetzt, um den Kopf beim Handling auf Distanz zu halten.
  • Schlangenhandschuhe“: Wirkungsvoll vor Bissen kleinerer Vipern und Giftnattern schützen lange (Leder-) bzw. Schweißerhandschuhe. Man sollte aber berücksichtigen, dass durch die unterschiedliche Kieferanatomie Vipern deutlich längere Giftzähne haben als Giftnattern. So hat bereits eine 90 cm Sandotter ähnlich lange Giftzähne wie die größte Giftschlange, die Königskobra mit über 4,5 m Länge und kann unter unglücklichen Umständen durch dicke Handschuhe beißen. Gleichzeitig verringert der Handschuh das Fingerspitzengefühl bei der Untersuchung und ist nur sehr eingeschränkt bei schnellen und ungestümen Schlangen zu gebrauchen.
  • Acrylglasröhren: Für die Untersuchung der Schlangen haben sich Acrylglasröhren (Abb. 5) in unterschiedlichen Durchmessern bewährt. Man lässt die Schlange mit dem Kopf voran in Röhre kriechen, fixiert sie am Körper bzw. am Schwanz und kann eine gefahrlose äußere Beurteilung oder kleinere Manipulationen vornehmen. Es ist jedoch zu beachten, dass der Durchmesser so klein gewählt ist, dass die Schlange nicht in der Röhre wenden kann.

Achtung: Natürlich ersetzen diese Hilfsmittel nicht die Erfahrung im Umgang mit diesen faszinierenden Tieren. Sie können im Zweifelsfall auch ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Abb.4 | Arbeitsgeräte für den Umgang mit Giftschlangen: Schlangenhaken, Handschuh und unterschiedliche Acrylglasröhren. © Helge Behncke
Abb.5 | Gefahrlose Beurteilung einer Hautwunde in der Acrylglasröhre. © Helge Behncke

Kurz und knapp

Auch wenn Giftschlangen faszinierende Tiere sind, stellt die medizinische Behandlung ein großes Risiko dar. Die gesundheitlichen und rechtlichen Folgen eines Giftbisses, der sich durch Unsicherheiten und Fehler im Handling ergibt, sollten nicht aus Neugierde oder Übermut riskiert werden. Im Zweifelsfall sollte die Behandlung versierten Kollegen überlassen werden.


Röntgen des Meeschweinchens

Röntgen des Meeschweinchens

Step by Step-Erklärung

Für qualitativ gute Übersichtsaufnahmen muss ein Meerschweinchen nicht in Narkose gelegt werden. Wichtig hierbei ist eine gute Vorbereitung, Absprache zwischen dem Personal und Geduld.

© Alexandra Jursova/Moment/Getty Images

Gerät, Einstellung und mindestens 2 Mitarbeiter sollten vorbereitet sein, wenn der Patient aus seiner Transportbox geholt wird. Für eine vollständige Beurteilung des Tieres sind 2 Aufnahmen (laterolateral, Abb. 1 und ventrodorsal, Abb. 2 und 3) nötig. Beachte: Zur besseren Darstellung der Positionierung des Patienten wurden die schützenden Strahlenschutzhandschuhe auf den Fotos noch nicht angelegt!

Abb. 1 | Für ein laterolaterales Röntgenbild wird der Patient auf der gewünschten Seite gelagert. Die am Kopfende stehende Person (Person A) umfasst mit einer Hand den Schultergürtel/Halsbereich. Mit der zweiten Hand zieht sie vorsichtig die Vorderbeine aus. Person B stabilisiert mit einer Hand das Becken und den Bauch des Patienten*. Mit der zweiten Hand zieht sie vorsichtig die Hinterbeine aus.
© Tina Elisabeth Brezina

Beachte
Der Patient wird während des „Schusses“ kurzzeitig nur an den Gliedmaßen und im Hals-/Schultergürtelbereich gehalten. Das Risiko von Verletzungen durch Winden, rehen und Zappeln ist zu diesem Zeitpunkt besonders hoch. Entsprechend kurz muss dieser Zeitraum gehalten werden. Die stabilisierende Hand an Bauch/Becken sollte bis zum letzten Moment am Tier verbleiben und nach dem „Schuss“ des Bildes sofort wieder aufgelegt werden.

Aber Strahlenschutz gilt immer!

Auch beim Meerschweinchen gilt: Selbstschutz mit Röntgenschürzen, Schilddrüsenschutz, Röntgenbrillen und Röntgenhandschuhen ist obligatorisch.

Kurz und knapp

Durch eine gute Vorbereitung und gezielte Handgriffe könnt Ihr den Stress bei der Röntgenaufnahme für das Meerschweinchen deutlich reduzieren und zugleich das
Verletzungsrisiko minimieren.

Tina Elisabeth Brezina
Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger
Zentrum für Tiergesundheit
Im Rollfeld 58
76532 Baden-Baden
info@tierarzt-baden-baden.de

Myxomathose

Myxomathose

Prophylaxe für alle!

Vorsorge ist immer besser als Nachsorge! Neben regelmäßigen tierärztlichen Gesundheitskontrollen zählt vor allem die mpfung beim Kaninchen zur Krankheitsprophylaxe. Zwei Krankheiten können hierbei vorbeugend behandelt werden: RHD-1 und -2 sowie Myxomatose. Tina Elisabeth Brezina berichtet über die Bedeutung der Myxomatose-Prophylaxe.

© CoraMueller/iStock Getty Images Plus/Getty Images

Myxomatose ist hochinfektiös

Der Krankheitserreger der Myxomatose ist ein Leporipoxvirus, d. h. ein Pockenvirus. Es ist für Wildkaninchen, Hauskaninchen und Feldhasen hochansteckend und lebensbedrohlich. Übertragen wird das Virus über direkten und indirekten (z. B. Futter, Gegenstände) Kontakt sowie blutsaugende Insekten (wie Flöhe und Stechmücken). Durch den Klimawandel treten Krankheitsfälle heutzutage das ganze Jahr über auf.

Welche Symptome treten auf?

Die Inkubationszeit liegt bei ca. 4–21 Tagen. Die Symptome können in eine ödematöse oder knotige Form eingeteilt werden.

Bei der ödematösen Variante, auch akute Form genannt, finden sich folgende Symptome:

  • Schwellungen an Augen, Lidern, Nase und Nasenrücken (Abb. 1)
  • Augen- und/oder Nasenausfluss
  • Atemnot
  • Schwellungen von Lippen, Maul, Rachen und Kehlkopf
  • Schluckbeschwerden
  • reduzierte bis fehlende Futteraufnahme
  • Gewichtsverlust
  • Schwellungen am Ohrgrund und in der Anogenitalregion (Abb. 2)

Bei der knotigen oder auch chronischen Form finden sich Verdickungen derHaut und Unterhaut. Diese können sich entzünden oder nekrotisch werden.

Eine gezielte Behandlung ist nicht möglich

Die Erkrankung kann nur unterstützend behandelt werden. Zwangsfütterung, Schmerzmittel, Immunstimulatoren, eine Infusionstherapie und intensive Pflege können versucht werden. Bei einer bakteriellen Sekundärinfektion kann eine Antibiose nötig sein.

Die Prognose für die ödematöse Form ist schlecht bis infaust und für die knotige Variante schlecht. Letztendlich bleibt oft nur die Euthanasie. Eine Notimpfung, wie sie bei RHD versucht werden kann, ist bei Myxomatose kontraindiziert.

Welche Prophylaxe ist empfehlenswert?

Da eine gezielte Behandlung nicht möglich ist, sind prophylaktische Maßnahmen besonders wichtig.

Du kannst den Besitzer gezielt über eine geeignete Prophylaxe beraten:

  • Mückenschutz, z. B. Insektengitter, Spot-on-Präparate gegen Mücken und Flöhe
  • Wildtierschutz, z. B. Doppelgitter
  • Frischfutter – Pflückwiesen sorgfältig auswählen
  • Quarantäne für neue Tiere (mindestens 21 Tage)
  • lückenloser Impfschutz

Tipp:
Pflückwiesen sollten im Idealfall abseits von Straßen, wildreichen Regionen und frequentierten Hundestrecken liegen. Ganz ermeiden kann man möglicherweise kontaminiertes Frischfutter nicht. Seuchenkarten, wie sie im Internet zu finden sind oder bei Euch dokumentierte Fälle können helfen, stark betroffene Areale zu vermeiden.


Aktuell sind einige Impfstoffe in Deutschland gegen Myxomatose zugelassen. Je nach Produkt kann bereits ab der 4. Lebenswoche geimpft und halbjährlich bis jährlich geboostert werden.

Gut zu Wissen

Wusstet Ihr, dass man auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts die aktuell in Deutschland für Tiere zugelassenen Impfstoffe nachlesen kann?
Leider sind nicht immer alle zugelassenen Produkte erhältlich.
Nähere Informationen findet Ihr unter:
www.pei.de

Schutzmaßnahmen in der Praxis

Tipp:
Myxomatose ist hochansteckend, deshalb sollte beim Umgang mit potenziell erkrankten Patienten in der Praxis stets ein hohes Hygienekonzept verfolgt werden.

Empfehlenswertes Hygienekonzept:

  • Verdächtige Tiere sollten zunächst außerhalb der Praxisräume warten und dann in gut desinfizierbaren Räumen oder Extrabereichen untergebracht werden.
  • Zum Schutz anderer Patienten sollten stets Schutzanzüge (z. B. Einweg-OP-Mäntel), Handschuhe und Schuhüberzieher vom involvierten Personal verwendet werden.
  • Viruzide Desinfektionsmittel, die gegen behüllte Viren wirken, sollten den Herstellerangaben entsprechend einwirken und zur speziellen, aber auch zur Flächendesinfektion verwendet werden.

Gut zu Wissen

Die DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft) hat einen Ausschuss zur Desinfektion in der Veterinärmedizin gegründet und
eine Desinfektionsmittelliste auf ihrer Homepage zur Verfügunggestellt.
Hier findet Ihr wichtige Informationen für die Anwendung geeigneter Präparate in der Tierarztpraxis:
www.desinfektion-dvg.de

Kurz und knapp

Myxomatose ist eine hochansteckende Erkrankung. Eine fundierte Impfaufklärung aller Kaninchenbesitzer durch Tierärzte und tiermedizinische Fachangestellte bildet eine wichtige Basis einer flächendeckenden Krankheitsprophylaxe.

Tina Elisabeth Brezina
Fachtierärztin für Heimtiere/Kleinsäuger
Zentrum für Tiergesundheit
Im Rollfeld 58
76532 Baden-Baden
info@tierarzt-baden-baden.de